Homöopathie

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Zeit-Wissen und der DZVHÄ im Disput zur Wirksamkeit der Homöopathie

Wer sich mit Komplementärmedizin auseinander setzt, stößt immer wieder auf Edzard Ernst, Professor für Alternativmedizin der Universität Exeter im Ruhestand. Er ist auch jetzt wieder Stein des Anstoßes. Er behauptet von sich, dass er die Komplementärmedizin mit „Wissenschaftlichen Methoden“ erforscht und er gilt als einer der prominentesten Gegner der Homöopathie. Zeit-Wissen veröffentlicht im Januar einen Portrait mit dem Titel: „Edzard gegen Charles“ in dem Ernst als „als herausragende Kapazität in Sachen Komplementärmedizin und insbesondere Homöopathie-Forschung“ dargestellt wird. Der Deutscher Zentralverein homöopathischer Ärzte- DZVhÄ schaut in seinem  Homöopathie-Blog genauer hin und kann den Expertenstatus nicht erkennen. Er stellt fest, dass Ernst zur Homöopathie keine Primärstudie erstellt hat (Grundlagenforschung, die originär einen bestimmten Forschungsgegenstand untersucht). Er ist Autor einiger Übersichtsstudien, die die Ergebnisse anderer Studien zusammenfassen. Forscher bescheinigen diesen Studien schwere methodische Mängel (Details im Blog).

Wir benötigen für die Komplementärmedizin andere Verfahren der Forschung. Wie kann die Wirksamkeit eines Verfahrens in einer Doppelblindstudie valide untersucht werden, wenn jeder Patient eine individuell auf ihn zugeschnittene Therapie erhält? Neben anderen Instituten forscht dazu Prof. Claudia M. Witt an der Charite. Die Carstens-Stiftung finanziert seit Jahrzenten Forschung in der Komplementärmedizin und Homöopathie. Regelmäßig werden dort auch international publizierte Studien wissenschaftlich bewertet.

Immer wieder erschienen in der letzten Zeit Artikel in führenden deutschen Medien zum Thema Komplementärmedizin, so z.B. in der Sueddeutsche.de (Kommentar des DZVhÄs hier), in der Zeit oder im Spiegel. Nicht alle Berichte habe ich gelesen. Doch wenn ich sie las, ärgere ich mich wie der DZVhÄ über eine Berichterstattung, die bei sorgfältiger Recherche schwere Mängel zeigten. So z.B. 2011 der Bericht im Spiegel über die Kampagne  „10:23 – Homeopathy, there‘s nothing in it“ (Spiegel-Wissenschaft: „Volle Dröhnung Homöopathie“). Die Kampagne wollte mit der Einnahme einer Überdosis eines homöopathischen Mittels zeigen, dass Homöopathie wirkungslos ist. Schon im Grundkurs Homöopathie wird gelehrt, dass eine einmalige Einnahme wenig nützt und dass sich eine Wirkung nur einstellt, wenn das Mittel passt und wenn ein mehrfacher Heilimpuls gegeben wird. Ein sorgfältig recherchierter Artikel hätte diesen Aspekt aufzeigen müssen. Wem nützt eine solche Berichterstattung?

In den Berichten und den dazu eingegangenen Kommentaren entsteht leicht der Eindruck, dass es einen unerbittlichen Kampf zwischen Gegnern und Befürwortern gibt. Doch die Praxis ist deutlich friedlicher. Nach der Allensbach Umfrage aus dem Jahr 2009 sind rund ein Viertel der deutschen Bevölkerung „überzeugte Verwender“ homöopathischer Arzneimittel und ohne Einschränkung von deren Wirksamkeit überzeugt. Nur zwei Prozent der Bevölkerung halten homöopathische Arzneien für unwirksam. 57 Prozent der Deutschen verwenden homöopathische Arzneimittel. Für viele Menschen gibt es ein Nebeneinander der Therapien.

Im gleichen Newsletter erwähnt der DZVhÄ noch eine Studie aus der Schweiz. Dort wurde die Homöopathie nach einer Volksabstimmung wieder ins Leistungsvolumen der gesetzlichen Kassen aufgenommen. In der Studie wurde die Wirtschaftlichkeit konventioneller Medizin mit der der Homöopathie verglichen. Patienten haben dafür die behandlungsbezogenen Ergebnisse aufgezeichnet. Die Studie kommt zum Ergebnis, dass Komplementärmedizin innerhalb des Krankenkassensystems nicht teurer ist als konventionelle Medizin. Für die Niederlande gibt es vergleichbare Ergebnisse (Zusammenfassung der Studie).

Worüber streiten wir dann eigentlich noch?
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