Impfstoffe

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Wie das Wissenschaftsjournal „Science“ in seiner Online-Ausgabe berichtet, sind in Australien bei Hühnern zwei gefährliche neue Viren entstanden. Das Prekäre daran: Grundlage waren Impfstoffe.

Was war passiert? Seit Jahrzehnten werden Hühner in Australien gegen eine gefährliche Atemwegserkrankung (ILT, Infektiöse Laryngotracheitis) mit abgeschwächten Herpesviren geimpft. Bislang gab es dort zwei Impfstoffe, die auf sehr ähnlichen Viren basierten. Nun kam ein neuer, europäischer Impfstoff hinzu, der ein völlig anderes Virus in abgeschwächter Form enthielt. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass es in Hühnern, die mit den unterschiedlichen Viren geimpft wurden, zu einer Mischung des Erbguts dieser Viren kam. So entstanden binnen eines Jahres zwei neue Virenstämme, die wesentlich gefährlicher als die verwendeten Impfstämme sind. Bis zu 18 % der Hühner starben in den betroffenen Ställen an der Krankheit, gegen die die Impfungen hätten schützen sollen.

Zwar war man sich eines solchen Risikos prinzipiell bewusst, doch hatte man es – wie so oft – für sehr gering gehalten. Auch beim Menschen werden Lebendimpfstoffe mit Herpesviren verwendet: bei der Windpockenimpfung. Da das Windpockenvirus aber recht stabil sei, träten Viruskreuzungen hier nur selten auf. Zu bedenken ist aber, dass Herpesviren, wie wir sie von Lippenherpes, Windpocken und Gürtelrose kennen, sich ins Nervensystem zurückziehen und dort lebenslang verbleiben. Daher stehen Sie gewissermaßen unser Leben lang für neue Mischungen aus Viren zur Verfügung.

Auch gegen Mumps, Masern und Röteln werden beim Menschen Lebendimpfstoffe eingesetzt. Bei Kinderlähmung verzichtet man inzwischen auf Lebendimpfstoffe: Die bekannte Schluckimpfung hatte in seltenen Fällen zu Lähmungen bei den Geimpften geführt. Außerdem konnten Geimpfte andere Personen mit den abgeschwächten, aber vermehrungsfähigen Krankheitserregern aus dem Lebendimpfstoff anstecken.

Bleibt nur zu hoffen, dass die Menschen aus Titanic, Fukushima und sterbenden Hühnern lernen, unwahrscheinliche Fälle ernster nehmen und – auch bei Tieren – mehr Sorgfalt im Umgang mit Lebendimpfstoffen gepflegt wird.

Lit.: http://www.sciencemag.org/content/337/6091/188
Beiträge rund ums Impfen im Naturheilmagazin