Plastik

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Plastik geht uns alle an

Plastik geht uns alle an

Autor: Birgit Neubauer

Neulich ist mir richtig bewusst geworden, dass wir im Zeitalter des Plastiks leben. Der Verpackungsmüll, der sich immer wieder bei uns zuhause anhäufte, war nicht mehr zu ertragen und mein schlechtes Gewissen unserer Umwelt gegenüber meldete sich zurück. Ich kann mich gut erinnern, dass ich einmal sehr darauf geachtet habe, nicht so viel Plastikmüll zu produzieren.

  • Ich achtete darauf, einen Stoffbeutel zum Einkauf mitzunehmen, um die Plastiktüte zu ersparen,
  • ich kaufte Milch und Joghurt immer im Glas,
  • Fleisch, Wurst und Käse nur an der Theke und nicht aus dem Kühlregal und
  • Obst und Gemüse auch nur einzeln und nicht verpackt.

Mittlerweile gibt es leider kaum noch Käse an der Theke und in vielen Supermärkten auch keine Fleischtheke mehr. Alles wird schön in Kunststoff verpackt und zu günstigen Preisen im Kühlregal angeboten. Teilweise eine Verpackung für 4 Scheiben Schinken. Sogar das Bio-Obst und -Gemüse wird in Plastik verpackt. Das ist doch wirklich nicht sehr ökologisch gedacht und widerspricht sich völlig! Wir haben uns daran gewöhnt, dass das Plastik überall verwendet wird und kaufen es ständig und jeden Tag. Es ist kaum zu vermeiden.

Es ist überall. Nicht nur Lebensmittel in den Supermärkten werden in Plastik verpackt. Auch fast alle Produkte zur Körperpflege, Reinigungsmittel, Waschmittel etc. gibt es nur noch in Kunststoffflaschen. Abgesehen davon, werden Unmengen an Haushaltsgegenständen, Möbeln, Spielsachen, Babyartikel etc. aus Kunststoff gefertigt.
Plastik ist ein großes Geschäft! Laut Recherchen für den Film „Plastic Planet“ verdienen allein in Europa eine Million Menschen ihr tägliches Brot unmittelbar mit Plastik.
Ich hatte mich mittlerweile auch schon an den Plastikkonsum gewöhnt und mein Gewissen damit beruhigt, das wir den Müll ja schön brav trennen. Es ist ja auch eigentlich sehr praktisch.
Allerdings ist Plastik – und das wird in unserem schnelllebigen und hektischen Alltag gerne verdrängt – sehr umweltbelastend und gesundheitsschädigend.
Außerdem kann nicht jeder Kunststoff, den wir trennen, wiederverwertet werden und irgendwann wird auch das wiederverwertete Plastik zu Müll.
Das Schlimme an dem Plastikmüll ist, dass dieser nicht natürlich abgebaut werden kann. Kunststoffe können bis zu 500 Jahren in Böden und Gewässern überdauern und schädigen mit ihren unbekannten Zusatzstoffen die Umwelt und die Gesundheit von Mensch und Tier!
Sechs Millionen Tonnen Plastik landen jedes Jahr in unseren Weltmeeren. Eine Müllhalde aus Plastik – so groß wie Mitteleuropa – schwimmt als riesiger Strudel alleine im Südpazifik. Meerestiere verfangen sich nicht nur darin, sie nehmen die durch Sonne und Reibung klein geschredderten Plastikteile als Nahrung auf.
In der Mitte des Pazifiks nisten die Albatrosse auf weit entlegenen Inseln. Sie fliegen Tausende Kilometer über den Müllteppich im Wasser. In den letzten Jahren haben sie auch begonnen, auf dem Meer schwimmen Plastikteile aufzusammeln. Damit füttern sie dann ihre Jungen! Aber nicht nur für Seevögel und Fische ist dieser Plastikmüll tödlich – er wird über kurz oder lang auf unseren Tellern landen.
Denn das Plastik wird im Meer in immer winzigere Teile zermahlen und gelangt in die Nahrungskette. Je kleiner die Teile, umso größer wird das Problem für uns Menschen. Wir essen von der Müllkippe, die wir geschaffen haben.

Kunststoffe enthalten viele gesundheitsgefährdende Zusatzstoffe.
Da die Chemikalien im Plastik nicht fest gebunden sind, können sie mit der Zeit entweichen. Sie gehen in die Umwelt über und werden auch vom menschlichen Körper aufgenommen. Besonders weitreichende Auswirkungen haben dabei hormonell wirksame Substanzen. Dazu gehören vor allem Weichmacher (Phthalate), Bisphenol A (BPA), bromierte Flammschutzmittel und Organozinnverbindungen.

Diese unterschiedlichen Substanzen haben eines gemeinsam: Sie können ins Hormonsystem eingreifen, das alle Stoffwechselvorgänge des Körpers steuert. Eine Vielzahl von Erkrankungen und Störungen wird mit diesen künstlichen Hormonen in Verbindung gebracht.
Vor allem Babys und Kleinkinder reagieren empfindlich auf hormonell wirksame Chemikalien. Umso schlimmer ist es das bereits die ganz Kleinen durch Schnuller und Babyflaschen den schädlichen Stoffen ausgesetzt werden. Bei Jungen kann die Belastung mit hormonellen Chemikalien zu Missbildungen der Geschlechtsorgane und Unfruchtbarkeit führen, bei Mädchen können verfrühte Pubertät sowie, im späteren Alter, Brustkrebs die Folge sein. Auch Allergien und Asthma – Krankheiten, die in den vergangenen Jahren verstärkt auftreten – können im Zusammenhang mit der Belastung durch hormonelle Stoffe stehen.

Besonders in Plastik eingeschweißte und stark verarbeitetet Lebensmittel, die während des Produktionsprozesses mit Geräten aus Weich-PVC in Kontakt kommen, sind belastet. Vor allem in fetthaltigen Nahrungsmitteln wie Käse, Wurst oder Erdnüssen reichern sich Weichmacher an.
Das alles sind für mich Gründe genug, um zukünftig wieder darauf zu achten, meinen Plastikkonsum so gering wie möglich zu halten. Wenn es mir auch nicht zu 100 % gelingen mag, so werde ich es mit Sicherheit zu einem Großteil reduzieren können.

Oft werden Kostengründe genannt, die es den Menschen erschweren, auf Kunststoffverpackungen zu verzichten. Doch auch wenn es teurer ist, mein Fleisch beim Metzger ein zu kaufen und nicht beim Billigsupermarkt, dann werden wir eben unseren Fleisch- und Käsekonsum reduzieren müssen und dann gibt es eben öfter mal nur Butter aufs Brot oder Gemüse wie Gurke und Tomate oder selbst gemachten Aufstrich, beispielsweise mit Avocado. Wenn man sich etwas mehr damit auseinandersetzt und beschäftigt, entwickeln sich sicher viele Ideen und Möglichkeiten, plastikfreier einzukaufen, ohne wesentlich mehr Geld ausgeben zu müssen. Wenn sich der Trend wieder in diese Richtung entwickelt, so wird das Angebot für plastikfreie Produkte hoffentlich eines Tages wieder größer werden.

Ich finde, wir alle sollten unser Konsumverhalten wieder mal neu überdenken, unseren Plastikkonsum einschränken und wir müssen aufhören, in immer hysterischerem Tempo zu konsumieren und wegzuschmeißen!

Quellen: